Ich bin ein ängstlicher Mensch: Ich habe Höhenangst, Angst vor Spinnen, Angst zu versagen, Angst, andere Menschen zu enttäuschen, Angst vor dem, was sein könnte, und das bereits beschriebene Lampenfieber. Lange habe ich mich deshalb davon abhalten lassen, in die Berge zu gehen, in fremde Länder zu reisen, Neues auszuprobieren, Vorträge zu halten. Bei meinen Vorträgen geht es soweit, dass ich mich wegen meiner Angst zu versagen, gar nicht an die Vorbereitung wage. Völlig paradox, und doch ist es so. Je mehr Angst ich habe, desto mehr schiebe ich Dinge auf. Prokrastination galore! Zum ersten Mal habe ich diesen Teufelskreislauf durchbrochen für meinen TEDxWomen Talk letztes Jahr in Frankfurt. Zwei Wochen vorher habe ich angefangen, mich vorzubereiten (das ist viel für mich). Habe mir einen Coach genommen, weil ich wusste, mit ihrer Hilfe werde ich es schaffen. Plus: Ich habe jeden Morgen und jeden Abend in der Woche vor dem Vortrag daran gesessen und gefeilt.

In den letzten Jahren habe ich bemerkt, dass die Angst sich sehr deutlich zu erkennen gibt. Ich merke, wenn ich prokrastiniere und frage mich dann, welcher Aufgabe ich aus dem Weg gehe. Ich setze mich bewusst damit auseinander. Mein Motto heute ist: Geh‘ dahin, wo die Angst ist, da ist die Veränderung. Wenn ich meine Angst überwinde, wachse ich. Die Angst ist zu einem meiner besten Berater geworden. Ich lasse mich von ihr zwar immer noch ausbremsen, aber nicht mehr von irgendetwas abhalten.

Ich versuche, meine Ängste nicht auf meinen Partner oder meine Kinder zu übertragen. Meine Mutter hat zum Beispiel ihre Ängste vor zu viel Verantwortung oder komplexen Aufgaben auf mich projeziert. Sätze, wie „Du kannst nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen“ oder „Übernimm dich nicht, Kind“ haben mich lange geprägt. Bis ich meine Schwiegereltern kennenlernte und erfuhr, zu was ein einzelner Mensch in der Lage ist. Sie mussten in ihrem Leben viele Schicksalsschläge verarbeiten wie Flucht und Vertreibung, Krieg und Gewalt. Gleichzeitig hatten sie so viel Liebe für die Familie und das Leben. Mein Schwiegervater verkörperte die Haltung „If you can think it, you can do it.“ Das hat mich ermutigt, auf meine Stärke zu vertrauen und mir mehr zuzutrauen.

Dies ist der 26. von 30 Artikeln, die ich jeden Tag in 10 Minuten ohne abzusetzen schreibe. Die Themen sind Wünsche meiner Leser. Warum ich das tue, kannst du im Artikel „Freischreiben“ nachlesen. Bettina Stackelberg, die Frau fürs Selbstbewusstsein, fragte mich für diesen #10minBlog: Wie gehst du mit Angst um bzw. wie findest du, sollten wir mit unseren Ängsten umgehen?  

Was mich freut und nie so geplant war: Wieviele andere sich der #10minBlog Challenge angeschlossen haben. Unter dem Hashtag #10minBlog kannst du auf Twitter alle Artikel finden. 

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