Ich liebe die Berge. Berge sind für mich Lebenselexier. Wenn ich Berge sage, meine ich die Alpen. Das war mir gar nicht bewusst, bis ich irgendwann keine Berge mehr hatte. Ich bin in einem Vorort von München aufgewachsen. Jeden Morgen auf dem Weg zur Schule und jeden Mittag auf dem Heimweg überquerte ich die Autobahn, und man sah bei schönen Wetter die Berge. Als Kind war ich jeden Sommer mit meinen Eltern in den Bergen wandern. Das fand ich damals oft langweilig, aber anscheinend wurde da bereits mein Berg-Gen angelegt.

Nach meinem Studium lebte ich für drei Jahre in Saudi Arabien und Dubai. Um mich herum nichts als staubige Sandwüste. Kein Blick mehr auf die Berge, nicht mehr die Möglichkeit, nach einer Stunde Autofahrt den Fuß auf einen Berg zu setzen. Da ist mir gewusst geworden, wie sehr die Berge Teil meines Lebens geworden waren.

Nach meiner Rückkehr zog es mich dann immer wieder in die Berge. Allerdings waren die Kinder klein, der Alltag voll. Es ergaben sich nicht so viel Gelegenheiten. Einmal verbrachten wir als Familie zu meinem 30. Geburtstag ein verlängertes Wochenende auf einem Bergbauernhof in Südtirol. Direkt am am Meraner Höhenweg gelegen. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mit meinem Sohn, damals 2 Jahre alt, den Weg entlang spazierte. Er führte direkt an unserer Ferienwohnung vorbei. Am Horizont tauchte ein Regenbogen auf. Ich sagte zu meinem Sohn, am Ende des Regenbogen befände sich ein Schatz. Er wollte sofort loswandern. Und wir taten es. Am liebsten wäre ich immer weiter gegangen und weiter. Da entstand der Traum, eines Tages mal, eine Hüttentour zu machen. Nicht morgens rauf auf den Berg und abends runter, sondern einfach oben bleiben. Auf Hütten übernachten. Keine Autos. Nur frische Luft. Die Einsamkeit und Langsamkeit des Gehens zu genießen.

Es sollte noch weitere 10 Jahre dauern, bis ich mir den Traum erfüllte und seitdem jedes Jahr wieder.

Ich erklärte meinen Traum im Jahr 2011 zu meinem Passion Project, „Passion Project E5“, weil ich auf dem E5 die Alpen überqueren wollte. In der Vorbereitungszeit verbrachte ich jedes zweite Wochenende mit Wandern. Oft allein. Ich merkte schon auf der Hinfahrt, wie sich mein Gedankenkarussel langsamer dreht, Ruhe im Kopf einkehrte. Erst recht, wenn ich losmarschiert war. Manchmal hatte ich nach einer vollen Woche das Gefühl, mich regelrecht leer geredet zu haben. Im Stillen vor mich Hingehen kann ich meinen Wortakku wieder aufladen. Eine Woche Wandern ist für mich eine richtige Fernreise. In den Bergen gewinne ich Abstand zu allem, was in meinem Leben passiert. Ich komme zur Ruhe. Die Berge geben mir Kraft. Ich empfinde eine große Demut vor der Natur und unserem Planeten, wenn ich zwischen den gewaltigen Felsmassiven laufe oder sie erklimme. Ich bin ein winziges Staubkorn in der Erdgeschichte. Das entspannt mich. Nichts ist wirklich so wichtig wie der Moment.

Dies ist der 23. von 30 Artikeln, die ich jeden Tag in 10 Minuten ohne abzusetzen schreibe. Die Themen sind Wünsche meiner Leser. Warum ich das tue, kannst du im Artikel „Freischreiben“ nachlesen. Heute wollte Unternehmensberaterin Angelika Collisi von mir wissen, was mir die Berge bedeuten.

Was mich freut und nie so geplant war: Wieviele andere sich der #10minBlog Challenge angeschlossen haben. Unter dem Hashtag #10minBlog kannst du auf Twitter alle Artikel finden. 

8 Comments

  • Wunderbar, solch eine Heimat für die Seele gefunden zu haben, nicht wahr!?
    Grüß Dich, liebe Maren!
    Was für Dich die Berge sind, ist für mich das Wasser. Allem voran „mein“ heissgeliebter Ammersee. Der schon dermaßen viel Stille, Frieden, Ausatmen, Weite und Liebe in mein Herz brachte!!
    Am Wasser – auch hier an der Würm, die 300 Meter vor der Wohnung entlang fließt – werde ich sofort ruhiger, mein Atem geht tiefer, der Blick wird ruhig und alles wird weiter in mir. Und das Wasser ist immer da, egal, wie es mir geht und welche Welt bei mir gerade untergehen mag – es ist da, es fließt, es nährt.

    Ich mag Deine 10minBlog Artikel sehr!

    Herzlichst, Bettina

    • Liebe Bettina, vielen Dank für deine schöne Rückmeldung. Ja, Wasser hat auch etwas beruhigendes. Da könnte ich stundenlang drauf schauen. Am liebsten habe ich Blick auf Berge und Wasser. Am Ammersee ist das ja genau so! Leider ist man da nie allein 😉 Wenn ich mich entscheiden müsste, wären es, glaube ich, die Berge. Wenn man Menschen fragt, ob sie lieber am Meer oder in den Bergen leben würden, finden die meisten sofort eine Antwort.
      Sonnige Grüße!

  • Was für wunderbare Einblicke diese Challenge bietet, liebe Maren. In Sachen Berge ticken wir ja sehr ähnlich. Auch dieses Gefühl, ein winziges next-to-nothing in der Erdgeschichte zu sein kenne ich nur zu gut. Und vielleicht genau daraus und aus dem Abstand, der sich in den Bergen gewinnen lässt, lässt sich gleichzeitig die Kraft schöpfen, in seinem mehr oder weniger kleinen Aktionsradius dann doch wieder positiv zu wirken. Ähnliche Gefühle wie die Berge kann wohl überhaupt nur das Meer hervorrufen. Die Kombi aus beiden ist für mich jedenfalls besonders lässig.
    Deine anderen 10-Minuten-Texte werde ich bei nächster Gelegenheit mal genauer lesen. Zuvor muss ich aber ein wenig „auf deinen Spuren“ wandeln. Also wandern. Im Rätikon. Das ist nun einigermaßen fixiert. Danke noch mal für die Tipps. 🙂
    Bis bald und auch mal wieder live, gell?! Viele Grüße, Nadine

    • Liebe Nadine, vielen Dank! Wo findet man Hochgebirge und Meer?! Viel Freude im Rätikon. Wenn ihr auf der Schesaplanahütte absteigt, unbedingt den Bündner Nusskuchen probieren! Für uns geht es heuer wahrscheinlich auf den Dolomiten Höhenweg 1. Sonnige Grüße, Maren

      • Guten Morgen Maren, ich denke da spontan an das Skandinavische Fjell (speziell Norwegen). Oder an Nordspanien und die Picos de Europa. Oh, der #1er hat so schöne Stellen – da wirst du uns ja hoffentlich wieder mit Bildern beglücken. Eine gute Tour wünscht dir Nadine

        • Lieben Dank! Ich bin auch schon ganz vorfreudig 🙂 Die anderen Wanderziele schaue ich mir mal an. Ich weiß nur nicht, ob ich mich von den Alpen lösen kann 😉

  • Liebe Maren,
    ich fühle mich reich beschenkt! Nie hätte ich gedacht, dass Du alle drei Themenvorschläge übernimmst 🙂
    Eben habe ich die neusten drei oder fünf 10min-Artikel gelesen, und ich erkenne und entdecke Dich in jedem wieder. Vielen Dank für die Gedanken-Stupser, die auch wenn hintereinander weg gelesen zum Nachdenken anregen, und für die Einblicke in Deine Erfahrungen.
    Liebe Grüße,
    Angelika

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