Freitags male ich Kühe. Ich werde oft gefragt: Wie kamst du zu den Kühen? Dann antworte ich: Die Kühe kamen zu mir. Und mit den Kühen kam das Glück!
In einer dunklen Phase meines Lebens hatte ich nach langer Zeit keine Bilder mehr im Kopf. Das kannte ich bis dahin gar nicht. Es war beinahe beängstigend. Bis ich eines Tages vor einem Bild in einer Ausstellung stand. Es war eine bunte Kuhherde vor einer Bergkulisse. Nicht in so einem altbackenen Stil, sondern mit ganz modernen knalligen Farben. Es war sogar ein Stück karierte Tischdecke eingearbeitet. Das Bild sprang mich an! Da ich in meinem Wohnzimmer eine leere Wand hatte, die geradezu darauf wartete, dass ein großes Bild den Weg dorthin findet, wusste ich in dem Moment: Dort muss ein großes Kuhbild hin! Das male ich mir. Da ich noch nie Kühe gemalt hatte, sondern immer nur Landschaften, fing ich erstmal klein an. Ein bisschen wie bei dieser Übung: Ein kurzer Artikel ist leichter zu schreiben als ein Buch. Hürde im Kopf. Hatte ich auch bei den Kühen. Also fing ich an, alte Bilder, die mir nicht mehr gefielen, mit Kühen zu übermalen. Es war beinahe therapeutisch. Ich übermalte diese dunkle Phase meines Lebens einfach mit bunten Kühen. So ging ich wie jeden Freitagvormittag in mein Atelier und malte zu Übungszwecken erst kleine Kuhbilder, dann größere. Irgendwann sollte es ja mal ein gaaanz großes werden.
Ich suchte mir Fotos von Kühen aus dem Internet als Vorlagen. Mittlerweile schicken mir Menschen auf Instagram Bilder, die ich male. Es gibt aber immer noch ein paar Vorlagen, die male ich einfach immer wieder gerne, weil die Kühe da so schön frech schauen. Das mag ich überhaupt so: Wie sie schauen! Ich mag auch ihre runden Formen. Und auch wenn man es nicht glaubt: Jede Kuh sieht anders aus!
Eines Tages fiel mir auf, dass ich ohne nachzudenken eine Kuh in den Farben der französischen Flagge gemalt hatte: Rot, Weiß, Blau. Und dass die ganze Zeit im Hintergrund französische Chansons liefen. Da stellte ich einen Zusammenhang her zwischen der Musik, die ich bewusst oder unbewusst höre, und den Farben, die ich verwende. Das erzählte ich am Abend auf einer Vernissage meiner Rechtsanwältin. Ich hatte die spontane Idee, dass ich immer die gleiche Kuh zu einem ganz bestimmten Lied malen könnte. Sie hielt das für eine super Idee, schenkte mir einen Song und die Serie „1 Kuh, 1 Lied“ war geboren. Bei diesem Projekt ist mir klar geworden, dass ich aus dem Rhythmus, aus den Texten, aus der Stimme des Sängers oder der Sängerin, aus den Instrumenten alles heraushole und beinahe magisch in meine Malweise fließt. So muss ich mir nur noch überlegen, zu welchem Lied ich male, und alles andere ergibt sich. Das Spannende war dann – ich mache das jetzt seit sieben Jahren, dass ich durch das weniger Nachdenken, immer besser wurde. Je mehr ich mich in den Bordmitteln reduziere, umso größer wird die Qualität. Faszinierend, oder?

#freitagskuh

Dies ist der zweite von 30 Artikeln, die ich nun jeden Tag in 10 Minuten ohne abzusetzen schreibe. Warum ich das tue, kannst du im Artikel „Freischreiben“ nachlesen. Wenn du magst, schenke mir ein Thema, zu dem du einen #10minBlog Beitrag lesen möchtest. Dieses Thema schenkte mir Stephanie Wagner.

Wenn dich diese Challenge begeistert, schließe dich gerne an! Katja, Inga und Steffi sind auch schon dabei. 

4 Comments

  • Wunderbar, Maren!
    Du nimmst mich ganz tief mit rein in dein Fühlen, und das finde ich großartig! „Die dunkle Seite im Leben einfach mit bunten Kühen übermalen“ – was für eine fabelhafte Therapie. Danke für diesen Einblick und für den Anschubser mit deinem #10minblog – sowas spukte auch schon länger in meinem Kopf herum, deshalb steige ich da jetzt sofort mit ein, damit auch mir das Bloggen wieder Spaß macht.
    Happy Weekend und fröhliche Grüße,
    Steffi

    • Liebe Steffi, das freut mich zu lesen. Dann war es doch nicht ganz eine Themaverfehlung 😉 Ich freue mich, dass du bei der Challenge an Bord bist! Ich werde dich gleich noch unten bei den KomplizInnen verlinken.

      • Liebe Maren,
        keinesfalls eine Themaverfehlung! Ganz im Gegenteil. Viel zu viele haben solch‘ dunkle Zeiten erlebt und wissen, wie schwer es war, dort wieder rauszukommen. Zeiten, in denen man sich gar nicht vorstellen kann, dass es überhaupt eine Sonne gibt, geschweige denn, dass sie wieder für einen scheint.
        Ich finde es großartig, wie Du Deinen Prozess beschreibst. Macht ganz viel Lust drauf, selbst in diesen Farbenflow einzutauchen.
        Noch eine gute Woche, liebe Grüße
        Patricia

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