Gestern schrieb ich über die Differenzierungsstrategie und wie wir uns von unseren Mitbewerbern absetzen können. Einzigartigkeit oder die sogenannte Unique Selling Proposition, das einzigartige Kundenversprechen ist als Must-have in den Lehrbüchern und in den Köpfen der Leute fest verankert. War bei mir genauso zu Beginn meiner Selbständigkeit.

Als ich vor zehn Jahren beschloss, als Marketingberaterin auf den Markt zu gehen, fragte ich mich natürlich auch, wie ich mich abhebe. Es gab schließlich schon Berater wie Sand am Meer und natürlich hatte niemand auf mich gewartet. Ich dachte, es bräuchte einen coolen Markennamen, mit dem ich raus gehe. Das Bild, dass eine gute Marke wie ein guter Espresso sein müsste (klein, stark, die Essenz) kam mir beim Radfahren. Das war die Geburtsstunde meiner Espressostrategie. Dahinter steht ein ganzes Modell, mit dem ich auch heute noch arbeite. Ich nahm bei einem Businessplan Wettbewerb teil, quasi Validierung meiner Idee. Kann ja nicht schaden. Eine Gutachterin gab mir 52 von 100 möglichen Punkten, weil ich den Markennamen so in den Vordergrund stellte und nicht mich und meine Persönlichkeit. Sie prophezeite mir, dass ich scheitern würde, wenn ich das nicht änderte. Ich konnte es nicht fassen!

Nun, gescheitert bin ich nicht. Der Begriff Espressostrategie war von Anfang an ein super Türöffner. Die Menschen fragten nach, was es damit auf sich hatte. Ich erklärte die Geschichte. Analogien und starke, sinnliche Bilder helfen, Komplexität zu reduzieren.

Meine Gutachterin hatte dennoch recht: Was passierte war, dass mein eigener Name und meine eigene Persönlichkeit mich viel weitertrugen als es der Markenname jemals tat. Produkte und Prozesse lassen sich kopieren, Persönlichkeit nicht.

Google-Suchanfragen, mit denen Menschen auf meine Seite kommen, sind viel, viel öfter mein eigener Name als der Begriff „Espressostrategie“. Wenn ich empfohlen werde, dann immer mit einem Mix aus Kompetenz, Persönlichkeit und Arbeitsweise. Das hätte ich am an Anfang niemals gedacht. Und natürlich ist das für einen selbst auch ganz schwierig zu erkennen, was einen selbst in den Augen anderer ausmacht.

Daher empfehle ich allen meinen Kunden zu Beginn der Zusammenarbeit, ihre Kunden und Menschen aus dem beruflichen Netzwerk danach zu fragen, was sie besonders an ihnen schätzen, welche Stärken sie sehen und was typisch ist. Jedes Mal sind meine Kunden so positiv überrascht von dem vielen tollen Feedback. Eine Kundin meinte kürzlich: Das sei ja die reinste Love Shower! Das trifft es wirklich gut. Eine solche Komplimentedusche sollten wir regelmäßig nehmen, um uns unserer Einzigartigkeit bewusst zu werden. Sie ist schon da, wir müssen sie nicht erfinden.

Und jetzt ab unter die Dusche!

2 Comments

    • Vielen Dank, liebe Caroline! Das freut mich sehr zu lesen. Ich mag den Begriff auch sehr gerne. Gut, wenn man so sprachgewandte Kundinnen hat 🙂

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