Im Zusammenhang mit Marken wird heute sehr oft der Begriff Authentizität genannt. Marken dürfen heute authentisch, also echt und glaubwürdig sein. Das war bis vor ein paar Jahren noch gar nicht selbstverständlich. Je virtueller unsere Welt wird, desto mehr sehnen sich die Menschen nach etwas Greifbaren. Je länger dieses Internet existiert, desto mehr wird offenbar, wie viele Markenversprechen gelogen sind. Menschen glauben nicht mehr ganz so schnell, was andere versprechen. Vertrauen weicht Skepsis. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb erlebe ich bei den Menschen eine Sehnsucht nach Vertrauen, nach Echtheit. Doch was bedeutet das eigentlich für die Markenentwicklung und Markenführung?

Ehrlichkeit ist hier ein Wert, der ganz schnell auftaucht. Als Kind wurde mir vermittelt, ich solle nicht lügen. Ehrlichkeit war die Abwesenheit von Unwahrheiten. Doch mit den Wahrheiten ist es schwierig. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit. Eine ehrliche, echte, authentische Marke lebt von mehr als der Wahrheit. 

Im gestrigen Blogbeitrag hatte ich mich schon mit dem Thema Werte beschäftigt. Werte wollen nicht gelesen werden, Werte wollen beobachtet werden. Sie zeigen sich im Verhalten von Menschen, die für ein Unternehmen arbeiten, die im Namen einer Marke unterwegs sind. Was ist ein ehrliches Verhalten? Das ist mehr als die Abwesenheit von Lügen. Menschen, die nicht nur Stärke demonstrieren, sondern auch Schwächen und auch dazu stehen, werden oft als ehrlich wahrgenommen. Menschen, die nichts beschönigen oder andere manipulieren, gelten als ehrliche Menschen. Das ist es, was Menschen echt werden lässt. Echte und ehrliche Marken haben also Markenbotschafter in und um das Unternehmen herum, die sich zeigen, wie sie sind. Kein Mensch ist perfekt.

Das finde ich eine der spannendsten und schönsten Entwicklungen rund um das Thema Marke und Marketing: Wir haben endlich eine Chance, uns zu zeigen, wie wir sind. Menschen wollen keine auf Hochglanz polierten Kundenversprechen mehr lesen oder hören. Sie sehnen sich nach einem ehrlichen Kundenversprechen. Eines, von dem sie echt glauben, dass es hält, was es verspricht. So entsteht Vertrauen. Und dafür braucht es Menschen, die sich mit Ecken und Kanten, mit Schwächen und Fehlern zeigen. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie die Marke Volkswagen an langfristiger Populariät gewonnen hätte, wenn sie ganz offen zugegeben hätte: „Da haben wir richtig Mist gebaut. Wir waren so vom Erfolg getrieben, dass wir übersehen haben, wie viele Menschen wir auf diese Weise getäuscht haben. Folgendes tun wir, damit das nie wieder passiert. (An dieser Stelle käme dann eine kleine Liste ganz konkreter Maßnahmen). Und nicht nur das: Wir wollen ein Auto entwickeln, das gut verkauft, weil es den Menschen nicht mehr schadet. Null Emissionen. Wir wollen Mobilität möglich machen, die den Bedürfnissen der Bevölkerung wirklich entspricht.“ Das wäre ehrlich was! 

Wann hast du zuletzt, ganz öffentlich einen Fehler zugegeben oder eine Schwäche gezeigt?

3 Comments

  • Liebe Maren, wieder hast du meinen Tag bereichert – Danke für diese Gedanken! Ich muss schmunzeln, denn gerade gestern habe ich ein Video zum „schwach sein dürfen“ aufgenommen, denn ich kenne das bei mir nur zu gut. Schwach sein zuzugeben fällt mir nicht leicht, ich übe und es tut so gut!
    Herzliche Grüße Caroline

    • Liebe Caroline, vielen Dank für deine Rückmeldung. Sich zu erlauben, schwach zu sein und das auch zu zeigen, erfordert große Stärke. Deshalb ist das nichts für Weicheier 😉 Aber auch hier ist es so wie bei vielen anderen Dingen: Es ist ein Muskel, der trainiert sein will. Dann wird er stärker. Und wir werden besser darin. Auch die Erfahrung: Ah, wenn ich Schwäche zeige, komme ich besser mit Menschen in Verbindung, ist ein wohltuendes Erlebnis. Also: Mut zur Schwäche, denn sie ist eine echte Stärke.

      • Liebe Maren, da hast du so recht:) Auf meinem neuen Weg kann ich mehr und mehr in meinen Schwächen meine Stärken erkennen, ich lerne mich noch mehr zu öffnen und mutig ganz ehrlich meine Geschichte zu erzählen. Dabei solche Worte zu lesen, wie es anderen geht, hilft ungemein. Danke! Liebe Grüße Caroline

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