Gestern las ich in einem Zeitungsartikel über die Übernahme von Kaufhof durch Signa. Dort wurde vom Autor gelobt, wie sachlich und emotionslos Firmenlenker René Benko durch die Verhandlungen ging. In einer Teambesprechung, in der große Differenzen offenbar wurden, meinte eine Teilnehmerin, wie wichtig es sei, dass man das ganz frei von Emotionen durch die Phase komme. Im menschlichen Miteinander scheint es, wenn es schwierig wird, besser zu sein, wenn keine Emotionen im Spiel sind. 

Von Neurowissenschaftler Hans-Georg Häusel habe ich in seinem Buch „Brainview“ gelesen, dass alles, was keine emotionale Komponente hat, für das menschliche Gehirn bedeutungslos ist. Ohne Emotion gibt es also keine Reaktion. So funktioniert unser Gehirn. Wenn wir Emotionen kappen, beschneiden wir uns selbst und jeden Veränderungsprozess.

Im Marketing ist es selbstverständlich, dass Emotionen im Spiel sind. Dabei werden Menschen durch Werbung regelrecht manipuliert. Im Vertrieb wird sehr gerne mit den Ängsten und tiefen Sehnsüchten der Menschen gespielt. Damit habe ich viel mehr ein Problem als mit einer lebendigen Diskussion über die Richtung, in die man gemeinsam geht, wenn man persönlich stark involviert ist.

Ich habe in Markenworkshops erlebt, wie befreiend es war, wenn Geschäftsführer und Führungskräfte ihren Gefühlen zu einer schwierigen Situation Raum geben durften. Es wurden endlich Dinge angesprochen, die lange unter dem Teppich gekehrt waren, weil sich niemand traute, sie anzusprechen. Aus Angst vor den Reaktionen der anderen. Paradox!

Menschen finden Emotionen bei sich und anderen immer dann schwierig, wenn sie keinen Umgang damit kennen und keine Worte dafür haben. Freude, Glück, Liebe sind erlaubt und erwünscht. Wut, Angst, Ärger dagegen selten. Dabei sind auch diese Emotionen etwas Großartiges! Sie mobilisieren ungeahnte Kräfte, öffnen Türen, die vorher wie versiegelt wirken. Lasst uns lernen, sie zu teilen und darüber zu sprechen. 

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