Gestern Mittag war ich auf einer interessanten Veranstaltung von Patricia Moro, Expertin für werteorientierte Führung. Es war eine Diskussionsrunde darüber, welche Rolle Werte in der Unternehmenswelt und der Gesellschaft spielen, wie sie gepflegt und gelebt werden.

Die Runde bestand aus einer Mischung aus Firmenlenkern, Künstlern, Beratern, Vertretern von Non-Profit-Organisationen und Coaches. Auch ein Pensionist war dabei. Spannend war, wie schnell man sich einig war, wie wichtig Werte sind. Werte vermitteln Sicherheit, wenn Unsicherheit herrscht. Führung in Zeiten der digitalen Revolution braucht Werte. Aber welche? Wer gibt sie vor? Wie werden sie gelebt? Wer ist dafür verantwortlich?

Da kam die Runde ins Diskutieren. Nach meinem Gefühl gab es mehr Fragen als Antworten. Es gab aber auch ein paar konkrete Ansatzpunkte. 

Ich habe für mich folgendes mitgenommen: Werte können ganz besonders gut diejenigen vermitteln, die eine klare Haltung dazu haben, wer sie sind, was sie wollen, was ihnen wichtig ist. Die ihr Warum kennen, den Sinn ihres Lebens. Werte sind ganz stark mit Emotionen verbunden. Eine Wertediskussion auf Metaebene ist schwierig zu führen. Wir können Werte lebendig werden lassen, wenn wir uns in schwierigen Situationen fragen: Wie fühlst du dich? Emotionen sind eng an Werte geknüpft. Sprichst du über Emotionen, triggerst du Werte. 

Ist eine Aufgabe von Führungskräften, das zu initialisieren oder ist nicht jeder einzelne selbst dafür verantwortlich? Früher hatte die Kirche viele Werte gesetzt. Es gibt große Konzerne mit Wertelisten, drei bis fünf Schlüsselwerte des Unternehmens sind darauf verzeichnet. Diese werden Mitarbeitern zum Beispiel an ihrem ersten Arbeitstag vorgelegt. Ein Teilnehmer in der Runde beschrieb es treffend: Für diejenigen, die an der Entwicklung der Werte beteiligt waren, sind es klare Bilder und damit eng verbunden Handlungsleitlinien. Für neue Mitarbeiter, die an dem Prozess der Werteentwicklung nicht beteiligt waren, ist es erst einmal nur ein Zettel. Eine Recruiting-Expertin in der Runde berichtete, dass sie diese Zettel meist sofort zur Seite legt und erst einmal beobachtet, wie sich Mitarbeiter und Führungskräfte in dem Unternehmen verhalten, das sie beauftragt hat, um einschätzen zu können, ob ein Kandidat bzw. eine Kandidatin in das Unternehmen passt. 

Das war ein wichtiger Impuls für mich. Werte wollen nicht gelesen werden, sie werden beobachtet. Werte zu leben ist deshalb so wichtig. Werte sind immer an Bord. Nicht alle Mitglieder einer Organisation haben die gleichen Werte. Wenn man herausfinden will, welche Werte sie leben, ist es wichtig Gespräche dazu anzustoßen. Im Sinne von „Was ist dir wichtig? Was brauchst du?“ Diese Fragen nach dem tieferen Sinn oder dem eigenen Warum können die meisten Menschen allerdings aus dem Stand heraus gar nicht beantworten. Das ist nicht weiter erstaunlich, wenn man bedenkt, wie selten diese Fragen gerade in Unternehmen gestellt werden. Definitiv werde ich künftig auch immer fragen: Wie fühlst du dich dabei?

Sehr spannend in dem Zusammenhang finde ich die Vier Zimmer der Veränderung, auf die mich Eva Lutz aufmerksam gemacht hat, in einem Kommentar zu meinem letzten Artikel mit den Emotionen. Absolut lesenswert für alle, die mit Menschen in Veränderungssituationen zu tun haben.

One Comment

  • Toll, dass Du dabei warst, liebe Maren! Und danke für das Teilen Deiner Erkenntnisse. Es war ein sehr anregender Austausch und wir haben durchaus kontrovers diskutiert. Doch haben wir einen Wert gelebt, der gerade heutzutage so wichtig ist: Respekt vor der Sichtweise des anderen. Ein Resultat zwischenmenschlicher Wertschätzung, diese wiederum für mich ganz persönlich die Mutter aller Werte.

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