Gefühlt besteht mein ganzes Leben aus Konflikten. Ok, nicht mein ganzes Leben, aber jeder Tag hält Konflikte bereit. Konflikte innerhalb der Familie. Wer hat seinen Teller nicht weggeräumt? Wer die Socken herumliegen lassen? Warum müssen Kinder unter 16 spätestens um 22 Uhr zuhause sein? Konflikte gehören zum Leben. Konflikte erzeugen Reibung und Reibung erzeugt Wärme. Ich halte Konflikte für eine gute Sache. Zumindest ist ein Konflikt immer ein Anlass für ein gutes Gespräch. Und ich liebe gute Gespräche, denn gute Gespräche führen zu guten Beziehungen. Im Geschäftsleben führen gute Beziehungen zu guten Geschäften. Privat sind gute Beziehungen der Motor fürs Leben. Gute Beziehungen geben Halt. In einer guten Beziehung sind die Liebe die Schrauben, die sie zusammenhält, und die Reibereien der Schmierstoff, damit alles in Bewegung bleibt. Bewegung ist wichtig für mich. Ich hasse Stillstand.

Ich habe schon festgestellt, dass ich ein besonderes Verhältnis zu Konflikten habe. Ich diskutiere gerne. Ich blühe geradezu auf, wenn ich mit Freunden oder innerhalb der Familie heiß diskutiere. Jeder vertritt seinen Standpunkt. Es ist eine tolle Übung für den Geist. Zum Glück sind meine Kinder ähnlich geprägt. Wahrscheinlich kein Zufall.
Mein Mann ist da ganz anders. Immer wenn wir ein Missverständnis über eine Sache haben, bohre ich nach. Er meint, ich würde knallhart widersprechen. Eigentlich will ich wissen, was ihn bewegt, gerade wenn das eine ganz andere Perspektive als meine ist. Er sagt dann immer: Ich will nicht mit dir streiten. Ich sage dann: Ich auch nicht, aber ich möchte deine Seite in der Sache kennenlernen. Es ist meine ganz eigene Version von gewaltfreier Kommunikation 😉
Ich glaube, es hängt ganz stark davon ab, wie selbstverständlich zuhause gestritten wurde und ob man Konflikte als nur problematisch sieht oder tatsächlich als Chance für ein gutes Gespräch, auch wenn das erstmal holprig läuft. Muss man ja auch aushalten, diese holprige Phase.

Ich scheue keine Konflikte. Das ist in meinem Beruf ganz wichtig. Als Beraterin ist es meine Aufgabe, meine Kunden klar zu machen, wo sie ihrer Strategie nicht folgen, wo sie sich noch verzetteln, wann sie nicht ihre Kunden erreichen werden, warum sie keinen Erfolg haben. Ein Perspektivenwechsel läuft nicht immer harmonisch ab.
Als Vorsitzende der Digital Media Women habe ich regelmäßig mit Konflikten zu tun. Unseren Verein gäbe es gar nicht, wenn es da nicht einen großen Konflikt in unserer Gesellschaft gäbe, wann Frauen gleichberechtigt sind und wo sie Einfluss nehmen dürfen.

Eine ganz andere Sache sind die Konflikte, die ich mit mir selbst ausfechte. Ich glaube, sie nehmen den größten Anteil an Konflikten in meinem Leben ein. Jeder Tag beginnt schon mit dem Konflikt: Aufstehen oder lieber noch ein bisschen liegen bleiben. Zwei oder drei Tassen Kaffee. Zwei wären gesünder. Aber ich glaube, drei zu brauchen, um wirklich wach zu werden. Erst die unangenehmen Aufgaben oder erst die schönen Dinge erledigen? Noch ein bisschen auf Facebook gucken oder die Aufgaben, die wie Blei auf der To-do-Liste hängen abarbeiten? Diese Konflikte finde ich zermürbend. Vielleicht sollte ich es mit ihnen halten, wie mit den Konflikten mit anderen: Sie sollten Anlass für ein gutes Gespräch mit mir selbst sein.

Dies ist der siebte von 30 Artikeln, die ich nun jeden Tag in 10 Minuten ohne abzusetzen schreibe. Warum ich das tue, kannst du im Artikel „Freischreiben“ nachlesen. Wenn du magst, schenke mir ein Thema, zu dem du einen #10minBlog Beitrag lesen möchtest. Dieses Thema wünschte sich Wirtschaftsmediatorin Kirstin Nickelsen.

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